Gerade noch Hochsommer, plötzlich Regenjacke in Treptow-Köpenick: Nach Hitze und Sonne zeigt sich der August auf einmal von seiner ungemütlichen Seite. Doch war’s das wirklich schon mit dem Sommer? Wetterexperte Dominik Jung von wetter.net verrät, wann die Sonne zurückkommen könnte, wie gut die Chancen auf einen goldenen Herbst stehen – und warum wir trotz Bauernregel noch lange nicht die Schneeschaufel aus dem Keller holen sollten.

Sommer vorbei? Wetter-Experte verrät, ob jetzt schon der Herbst kommt

Lieber Herr Jung, Regen, kühle Temperaturen und viele Wolken – war’s das schon mit dem Sommer? Oder steht der Herbst tatsächlich vor der Tür?

Dominik Jung: Der Sommer ist noch nicht abgeschrieben, aber die stabile Hochsommerphase ist erst einmal Geschichte. Verantwortlich ist ein Tief über Skandinavien, das kühlere Luft polaren Ursprungs weit nach Mitteleuropa führt und die Hitze der vergangenen Wochen nach Süden abdrängt. Die Folge sind Schauer, Gewitter und ein deutlicher Temperaturrückgang – vielerorts nur noch 17 bis 24 Grad, bei anhaltendem Regen teils um 15 Grad. Meteorologisch läuft der Sommer aber noch bis Ende August, kalendarisch sogar bis in den September. Von einem endgültigen Herbsteinbruch würde ich also noch nicht sprechen. Wir erleben eher den typischen Übergang vom Hochsommer in den Spätsommer.

Sommer-Comeback oder Schmuddelwetter? Diese zwei Szenarien sind jetzt möglich

Wann können wir wieder mit Sonne rechnen? Zeigt sich der Sommer noch mal?

Dominik Jung: Zunächst bleibt es wechselhaft mit einer gemäßigt warmen Südwestlage. Sobald der Vorhersagezeitraum über etwa eine Woche hinausgeht, laufen die Wettermodelle aber deutlich auseinander. Zwei Szenarien sind im Spiel: ein Blockadehoch, das noch einmal freundlicheres, wärmeres Wetter bringen könnte, oder eine anhaltend unbeständige Lage mit Tiefdruckeinfluss. Ein kurzes Comeback von Sonne und spätsommerlichen Werten ist also durchaus möglich – nachhaltig stabil sieht es Stand heute aber noch nicht aus. Wer die letzten warmen Tage nutzen möchte, sollte die kurzfristigen Vorhersagen im Blick behalten.

Goldener Herbst 2026? Warum die Wettermodelle jetzt Hoffnung machen

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit auf einen goldenen Herbst?

Dominik Jung: Die Chancen stehen gar nicht schlecht. Mehrere Langfrist- und Saisonmodelle rechnen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit – teils um 80 Prozent –, dass der Zeitraum August bis Oktober insgesamt wärmer ausfällt als im langjährigen Mittel. Das passt in den Trend der vergangenen Jahre, in denen wir immer häufiger milde, freundliche Frühherbstphasen gesehen haben. Eine Garantie ist das aber nicht: Saisonprognosen liefern Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten, keine Tagesvorhersage. Ob es wirklich ein "goldener" Oktober mit viel Sonne wird, entscheidet sich kurzfristiger.

Fast 40 Grad im August: Bringt uns das jetzt einen schneereichen Winter?

Eine Bauernregel besagt: "Fängt der August mit Hitze an, bleibt auch lang die Schlittenbahn." Freuen wir uns dieses Jahr über viel Schnee?

Dominik Jung: Ehrlich gesagt: Auf Bauernregeln würde ich keine Winterprognose stützen. Solche Regeln sind ein schönes Stück Wetterfolklore, haben aber keine belastbare wissenschaftliche Vorhersagekraft. Der August hat zwar tatsächlich heiß begonnen – Anfang des Monats wurden örtlich fast 40 Grad gemessen –, daraus lässt sich für die Schneemengen im kommenden Winter aber seriös nichts ableiten. Zwischen der Witterung im Hochsommer und dem Winterverlauf ein halbes Jahr später gibt es schlicht keinen belegbaren physikalischen Zusammenhang.

Schnee-Fans müssen stark sein: So sieht die erste Winter-Prognose aus

Was sagen die Wettermodelle? Wird es ein kalter Winter?

Dominik Jung: Die aktuellen Langfristmodelle deuten Stand heute eher in die andere Richtung. Sowohl amerikanische als auch weitere Berechnungen zeigen für den Winter 2026/27 überwiegend eine Tendenz zu überdurchschnittlichen Temperaturen, regional ein bis zwei Grad über dem Mittel. Das ist auch keine große Überraschung: 15 der letzten Winter fielen zu warm aus, ein klassischer Flachlandwinter mit Dauerfrost und Schnee ist selten geworden. Ein zusätzlicher Faktor ist ein sich aufbauendes, möglicherweise kräftiges El-Niño-Ereignis im Pazifik, dessen Einfluss auf Europa allerdings nur indirekt ist. Ganz wichtig zur Einordnung: Diese Prognosen sind im August noch mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Ob der Winter am Ende Kältephasen bringt, entscheidet sich vor allem am Zustand des Polarwirbels – und dazu gibt es belastbare Hinweise frühestens ab November. Aussagen wie "Jahrhundertwinter" oder "eiskalt" sind zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation.